Ökonomik, Politische Ökonomie und Psychologie staatlicher Reformen in Europa

Frühjahrstagung 2008 des Arbeitskreises Politische Ökonomie

In Verbindung mit dem Walter Eucken Institut Freiburg und dem ZEW Mannheim.

Wissenschaftliche Leitung:
Bernhard Neumärker, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg & Walter Eucken Institut
Friedrich Heinemann, ZEW Mannheim

Ort: Freiburg im Breisgau, Haus zur Lieben Hand der Universität Freiburg, Löwenstr. 16

Datum: 10./11. April 2008

Symbol PDF-DokumentFolgende Dokumente zur Tagung können heruntergeladen werden: Anmeldeformular, Tagungsprogramm, Lageplan und Adressen, Hotelliste Freiburg. » zu den Dokumenten

Einladung

Der Arbeitskreis Europäische Integration veranstaltet gemeinsam mit dem Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), dem Walter Eucken Institut Freiburg und dem Arbeitskreis Politische Ökonomie eine wissenschaftliche Tagung mit dem Titel

„Ökonomik, Politische Ökonomie und Psychologie staatlicher Reformen in Europa“.

Die Tagung findet am 10./11. April 2008 im Haus zur Lieben Hand der Universität Freiburg, Löwenstr. 16, D – 79098 Freiburg/Breisgau statt. Einzelheiten zum Ablauf der Tagung entnehmen Sie bitte dem beigefügten Programm.

Die Veranstalter übernehmen die Verpflegungskosten am Tagungsort. Die Einschreibegebühr beträgt für Mitglieder des Arbeitskreises und Studenten Euro 60,- sowie für sonstige interessierte Teilnehmer Euro 80,-.

Wir möchten Sie zu dieser Konferenz sehr herzlich einladen. Ihre Anmeldung erbitten wir auf dem beigefügten Formular. Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Geschäftsstelle des Arbeitskreises.

Wir bitten Sie, die Einladung auch an interessierte Kolleginnen und Kollegen, einschließlich Angehörige des wissenschaftlichen Dienstes, weiterzureichen. Wir freuen uns, wenn wir Sie auf unserer Veranstaltung begrüßen können.


Thema der Tagung

Der Bedarf an Reformen von sozialen Sicherungssystemen, Arbeitsmarktinstitutionen, des Steuersystems oder auch der föderalen Ordnung ist für Deutschland trotz einiger erfolgter Anpassungen nach wie vor hoch. In den Ländern Westeuropas wurde der Reformbedarf spätestens mit dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 und dem dadurch verursachten zusätzlichen Eintritt vieler Staaten in die globale Arbeitsteilung, und der damit einhergehenden Intensivierung des Systemwettbewerbs, evident. Dies gilt insbesondere auch für die Osterweiterung der Europäischen Union. Dennoch scheinen einige Länder Westeuropas Schwierigkeiten bei der Annahme dieser Herausforderung und der Anpassung an die neuen Gegebenheiten zu haben. Dabei drängt sich die Frage nach den Ursachen dieser Schwierigkeiten auf.

Die Ökonomie mit ihren umfangreichen Untersuchungen zu den Funktionsweisen des Wettbewerbs scheint einen Instrumentenkasten aufzuweisen, der zur Lösung dieser Schwierigkeiten beitragen kann. Allerdings erreichen viele Lösungsvorschläge entweder nicht den politischen Prozess, werden so verwässert, dass die von ihnen erhoffte Wirkung konterkariert wird, oder werden schlicht mit politischen Aussagen wie „das mag in der Theorie funktionieren, taugt aber nicht für die Praxis“ oder „da stimme ich prinzipiell zu, kann es aber nicht durchsetzen“ abgetan. Als eine Ursache hierfür wird oft die fehlende Berücksichtigung der Funktionsweisen politischer Prozesse und der alleinigen Konzentration auf ökonomische Variablen genannt. So wiesen bereits frühe Vertreter der Neuen Politischen Ökonomie auf die Bedeutung des politischen Prozesses für die Umsetzung von Reformen hin. In jüngster Zeit hat sich der eigenständige Zweig einer politisch-ökonomischen Reformanalyse herausgebildet, der aber in vielerlei Hinsicht weiterzuentwickeln und kritisch zu hinterfragen ist.

Wie der politische Prozeß in die ökonomische Analyse integriert und daraus Erkenntnisse für zukünftige Reformen auf verschiedenen institutionellen Ebenen wie z.B. der EU gewonnen werden können, soll Gegenstand der Tagung sein. Im Einzelnen können dabei ganz unterschiedliche Themen bearbeitet werden:

  • Der Begriff Reform aus (inter)disziplinärer Sicht
  • Reformblockade und Durchsetzung staatlicher Reformmaßnahmen
  • Wirkungen politischer Institutionen auf gesellschaftliche Reformaktivitäten
  • Tausch- und Konfliktpotentiale von Reformvorhaben
  • Geschwindigkeit und Sequenzierung von Reformen
  • Reformen der europäischen Institutionen
  • Auswirkungen der EU auf die Reformfähigkeit ihrer Mitgliedsländer bzw. Beitrittskandidaten
  • Was kann der Systemvergleich für Reformen in den kontinentaleuropäischen Wohlfahrtsstaaten leisten?
  • Europäische und nationalstaatliche Unterstützung von Reformen in Entwicklungsländern
  • Spezifische Reformprobleme verschiedener Wirtschaftssektoren der EU
  • Die Bedeutung des Rechts für institutionelle Reformen
  • Auswirkungen kognitiver und psychologischer Prozesse auf die Reformfähigkeit
  • Ordnungspolitische und institutionenökonomische Reformkonzepte
  • Evolutionäre und kulturelle Reformbedingungen
  • Die Bedeutung des „Wissensproblems“ für Reformen
  • Die Messbarkeit von Reformen

Programm

Donnerstag, 10. April

13.00-13.15
Begrüßung
Friedrich Heinemann, Bernhard Neumärker

13.15-15.15
Parallelsitzungen

Sitzung 1: Quantifizierung von Reformen und internationale Vergleiche

Alexander Lenger, Walter Eucken Institut
Shock therapy versus gradualism? Transition processes in Eastern Europe reviewed

Oliver Heilwagen, Bertelsmann Stiftung
Der Bertelsmann Reform Index – ein neues Instrument zur Messung von Reformen

Martina Eckardt/Stefan Okruch, Andrássy Universität Budapest
Yardstick Competition through the Open Method of Coordination – the Example of Health Care
Reforms in the EU

Vorsitz: Friedrich Heinemann

Sitzung 2: Reformen fiskalischer und föderaler Regelwerke

André Schmidt, European Business School
Die Reform des Stabilitäts- und Wachstumspaktes: Missglücktes Konstrukt und/oder Politikversagen?

Hubert Hieke, Ryzard Lazarski Universität Warschau
Das Verschwinden von Budgetdefiziten – eine Erfolgsgeschichte des Wachstums- und Stabilitätspakts?
Das Beispiel Deutschland

Jan Voßwinkel, Ruhr-Universität Bochum
Reform und Staus quo im deutschen Föderalismus aus institutionenökonomischer Perspektive

Vorsitz: Bernhard Neumärker

15.15-15.45
Kaffeepause

15.45-17.45
Parallelsitzungen

Sitzung 3: Patriotismus, Konstitutionenökonomie und Makroökomie der Reformen

Rebecca Dörfler, LMU München
„Wir sind Deutschland“ – Der Einfluss des Bewusstseins für die Zugehörigkeit zu einer deutschen
Gemeinschaft auf die Akzeptanz von Reformen

Bernhard Neumärker, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg & Walter Eucken Institut
Konstitutionelle Reform und konstitutionelle Logik von Reformen

Peter Flaschel, Universität Bielefeld
Flexicurity Capitalism

Vorsitz: Bernhard Neumärker

Sitzung 4: Reformen internationaler Organisationen

Elke Muchlinski, FU Berlin
Reform und Lernen internationaler Institutionen – die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
(BIZ)

Andreas Koenig, Universität Hohenheim
Politische Ökonomik der Reform des Europäischen Gerichtshofs

Harald Zschiedrich, FHTW Berlin
Reform der EU-Regionalpolitik im Spannungsfeld von Förderung einzelner Wachstumspole
(Clusterregionen) und dem Abbau regionaler Disparitäten

Vorsitz: Friedrich Heinemann

17.45-18.45
Keynote Detlef Fetchenhauer, Universität Köln
Die Psychologie wirtschaftspolitischer Reformen – ein Überblick

20.00
Abendessen Haus zur Lieben Hand

Freitag, 11. April

9.00-11.00
Parallelsitzungen

Sitzung 5: Glück, Vertrauen, Angst und Reformen

Luitgard Reiß, LMU München
Angst und Reformen – Welche politischen Implikationen ergeben sich aus der Terror Management
Theorie für die Akzeptanz von Reformen?

Stefan Bergheim, DB Research
Die glückliche Variante des Kapitalismus

Friedrich Heinemann, ZEW Mannheim
Vertrauen und Reformen

Vorsitz: Friedrich Heinemann

Sitzung 6: Reformprobleme öffentlicher Deregulierung und des Gesundheitssystems

Sarah Jamil, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
The miscellaneous desirability of Public-Private Partnerships and an approach to design an appropriate
constitution

Staffan Hultén, Stockholm School of Economics
Not the English Way – The Deregulation of the Swedish Passenger Railway Services

Eva Traut-Mattausch, LMU München
Reagieren Opfersensitive stärker auf Reformen? Unterschiede aufgezeigt am Beispiel der
Gesundheitsreform und der Einführung von Studiengebühren

Vorsitz: Bernhard Neumärker

11.00-11.30
Kaffeepause

11.30-12.30
Keynote Oswald Metzger, Freier Publizist und Politikberater, Bad Schussenried
Rolle rückwärts bei der Agenda 2010 – kehrt der Reformstau zurück?

12:30
Mittagessen Haus zur Lieben Hand

13.30-14:30
Mitgliederversammlung des Arbeitskreises Politische Ökonomie

14:30
Ende der Tagung


Dokumente zur Tagung als PDF-Download

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Anmeldeformular | PDF | 155 KByte
Tagungsprogramm | PDF | 159 KByte
Lageplan und Adressen | PDF | 162 KByte
Hotelliste Freiburg | PDF | 5 KByte

Tagungsbericht in „integration“

Jamil, Sarah / Lenger, Alexander 2008: Wirtschaftspolitischer Reformbedarf in Europa, in: integration, Jg. 31, Nr. 3, S. 329-335.


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